Covid-19 und das Darmmikrobiom

Wie wirkt sich eine Covid-19 Erkrankung auf das Mikrobiom des Darms aus und umgekehrt? Erste Studien ermöglichen einen Blick ins Thema.

Früher schon habe ich einen Beitrag über die Auswirkung von Covid-19 bei Patient*innen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen geschrieben.

Wie aber wirkt sich Covid-19 auf das Darmmikrobiom generell aus?

Darüber gibt es inzwischen sehr interessante Ansätze, die ich Ihnen hier gerne zusammenfasse. Wie immer führe ich die Links meiner Quellen unten an.

Die Lungen-Darm-Achse

Die Darmflora „spricht“ mit dem Mikrobiom der Lunge. Das klingt zunächst etwas sehr einfach, ist aber in der Sache nachgewiesen. Und wie immer, wenn es um ein tieferes Verständnis der Zusammenhänge geht, wird es sehr komplex.

So, wie der Darm mit Mikroben besiedelt ist, ist’s auch die Lunge, – es ist hier zwar nicht die große Anzahl Bakterien zu finden, doch auch bei gesunden Menschen sind sie vorhanden. Und sie stehen in Austausch miteinander: die Lungen-Darm-Achse. Wir können uns diesen Zusammenhang wie ein Netzwerk vorstellen, der Austausch geht in beide Richtungen.

Die Diversität des Darmmikrobioms spielt dabei eine große Rolle in der Frage von Gesundheit oder Erkrankung. So besteht zum Beispiel ein Zusammenhang zwischen einer nicht-diversen Darmflora von Kindern und deren späteren Neigung zu Lungenerkrankungen.

Die kurzkettigen Fettsäuren, wie Butyrat, Propionat und Acetat haben eine Schlüsselrolle im Geschehen. Sie entstehen ja dann, wenn Darmbakterien Ballaststoffe verarbeiten und sind dann an der Ausbildung von Immunzellen beteiligt, die dann unter anderem in die Lunge wandern. Besonders wichtig scheint hier F. prausnitzii zu sein, da dieser Keim viele Fettsäuren, Butyrat, produziert. Beim Gesunden sollte er zwischen 5 – 15% des Mikrobioms ausmachen. Da er in der normalen, ausführlicheren Darmdiagnostik nicht nachgewiesen wird, ist tatsächlich mehr und mehr eine Mikrobiomanalyse anzuraten, vor allem in Fällen von schwerwiegenden Erkrankungen.

Übrigens werden auch mehr und mehr auch andere Bezugsachsen zwischen Darm und anderen Organen beschrieben: die Darm-Hirn-Achse, die Darm-Leber-Achse, die Darm-Haut-Achse und die Darm-Gelenk-Achse. Sogar die Funktion einer Darm-Herz-Achse wird erforscht. Liegen in diesen Vernetzungen Störungen vor, so kann das Erkrankungen in den Organen befördern.

Covid-19

Zunächst wurde Covid-19 vorrangig als Lungenerkrankung gesehen, was ja auch offensichtlich und berechtigt ist. Doch vermehren sich die Viren nicht nur in den Atemwegen, sondern auch im Verdauungsapparat.  So kommt gehäuft im Verlauf der Erkrankung mit Sars-Cov-2 eine Dysbiose der Darmflora auf, die auch dann noch weiter besteht, wenn die PCR wieder negativ ist. Die Schwere der Corona Erkrankung weist einen Zusammenhang mit der Dysbiose auf. Und diese wiederum könnte den Zytokinsturm unterstützen, der eine lebensbedrohliche Entgleisung des Immunsystems darstellt und oft ein großes Problem bei schweren Verläufen mit Covid-19 ausmacht.

Je stärker die Störung der Darmflora, desto größer ist die Entzündung in der Lunge. Umgekehrt gilt es ebenso: je stärker die Lungenentzündung ist umso intensiver ist die Darmflora aus dem Lot.

Vielleicht liegt einer der Hunde auch in den Lockdown-Folgen begraben. Es ist doch denkbar, dass die damit verbundenen verstärkten Ernährungssünden (mehr Süßes, mehr Salziges, mehr Weißmehl, Rauchen, Alkohol – die üblichen Verdächtigen eben) auch noch dazu beitragen, dass das Mikrobiom Schaden erleidet.

Coronaviren werden von Covid-Patient*innen noch lange mit dem Stuhl ausgeschieden.

Offenbar betrifft eine Covid-19 Erkrankung und die damit einhergehende Dysbiose auch die Darm-Hirn-Achse. Die Forscher sehen hier einen möglichen Grund für Long-Covid Symptome wie z.B. Müdigeit und Depression.

So könnte es mal wieder tatsächlich das Zünglein an der Waage sein, WIE Menschen sich ernähren. In der Studie kam die These auf, dass eine fettreiche und das Mikrobiom belastende Ernährungsweise einer Gesellschaft, wie in unseren industrialisierten Ländern, die Pandemie schürt.

Eine Präbiotische Ernährung, in Zusammenwirken mit der Einnahme von Probiotika, könnte die schweren Symptome einer Atemwegserkrankung und gegebenenfalls auch Covid-19 tatsächlich abmindern.

https://www.lungenaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/wie-beeinflussen-sich-die-mikroorganismen-in-darm-und-lunge/

https://link.springer.com/article/10.1007/s15006-021-0200-5

https://eref.thieme.de/ejournals/1439-7803_2021_07#/10.1055-a-1485-8738

zur Herz-Darm-Achse:

https://www.mdc-berlin.de/de/research/publications/darm-herz-achse-wie-darmbakterien-kardiovaskulare-erkrankungen-beeinflussen

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