Kurzkettige Fettsäuren

Kurzkettige Fettsäuren, allen voran das Butyrat, unterstützen die Darmgesundheit in großem Maß. Lesen Sie hier, was es damit auf sich hat.

Warum sind sie für den Darm so wichtig?

Kurzkettige Fettsäuren (engl. SCFA – short chain fatty acid) bilden eine Untergruppe der Fettsäuren, sie haben zwei bis sechs Kohlenstoffatome. Sie sind gesättigt und unverzweigt bei kurzer Kettenlänge. Bei Raumtemperatur sind sie flüssig und flüchtig, deswegen werden sie oft auch flüchtige Fettsäuren genannt. Sie entstehen durch den Abbau von Kohlehydraten und Proteinen. Und sie werden über die Transportproteine der MCT-Familie in fast allen Geweben aufgenommen, einschließlich des Gehirns.

Kurzkettige Fettsäuren riechen übrigens allesamt mehr als gewöhnungsbedürftig. Das Spektrum reicht von Schweißfuß über Sauerkraut bis hin zu deftigem Käse und Essig. Capronsäure wird beispielsweise auch Ziegensäure genannt weil sie recht streng nach Ziege riecht. Doch ungeachtet dessen gehören sie in den Baukasten des Lebens.

Es sind:

  • Ameisensäure (Formiat)
  • Buttersäure (Butyrat)
  • Capronsäure
  • Essigsäure  (Acetat)
  • Propionsäure (Propionat)
  • Valeriansäure

Ihre Bedeutung

Für den Dickdarm spielen besonders das Butyrat, das Acetat und das Propionat eine Rolle. Sie senken den pH-Wert und verhindern unter anderem die Ansiedelung pathogener Keime.

Doch den kurzkettigen Fettsäuren kommt generell eine wesentliche Bedeutung für den Stoffwechsel der Dickdarmschleimhaut zu.  Sie nähren vor allem im Colon die Bifidobakterien. Ebenso dienen sie der Schleimhaut als Energielieferanten. Butyrat (das Salz der Buttersäure) ist der wichtigste Energielieferant der Schleimhautzellen. Zusammen mit Propionat stimuliert Butyrat die physiologische Zellneubildung in den Krypten des Dickdarms und hält die Aktivität der bakteriellen Enzyme und somit die Funktionsabläufe im Dickdarm aufrecht.

Acetat, Butyrat und Propionat in ausreichender Menge gewährleisten die ausreichende Aktivität der Schleimhautzellen und damit eben auch die Barrierefunktion des Darms.

Ihre Funktionen sind zum Beispiel:

  • Entzündungshemmung
  • Infekthemmung
  • Regulierung des Appetits

Ein hoher pH-Wert wird oft durch einen Butyratmangel befördert. Dies wiederum fördert die Umwandlung von primären zu sekundären Gallensäuren. Auf diesem Weg können Mechanismen untestützt werden, die z.B. das Wachstum von Krebszellen anregen könnten. Das Risiko zur Entstehung von Colon-Karzinomen kann steigen.

Immer wieder wird im Umkehrschluss darüber diskutiert, dass ein hoher Butyratspiegel einen antineoplastischen Effekt hat.

Butyratbildner

Auf der Innoveutika 2019 hörte ich darüber einen Vortrag von Prof. Dr. Nils Thoennissen, Facharzt für innere Medizin, Hämatologie und Onkologie, in dem er die Bedeutung von Butyratbildnern im Darm besprach.  In diesem Zusammenhang führte er aus, dass oftmals schon vor der Gabe von Probiotika es sinnvoll sein mag, das Wachstum derjenigen Bakterien, die als Butyratbildner besonders aktiv sind, zu fördern. Als besonders empfehlenswert nannte er hierbei die resistente Stärke, Typ 3.

Ein Mangel an Butyrat steht auch im Zusammenhang mit Erkrankungen wie Diabetes Typ 2, Adipositas und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Als Butyratbildner sind besonders zu nennen:

  • Faecalbacterium prausnitzii, Roseburia, Eubacterium, Ruminococcus, Butyrivibrio crossotus.

Diese Bakterien wachsen streng anaerob und sind von daher in einem Probiotikum nicht zu finden. Hier besteht tatsächlich nur die Möglichkeit, mit einem Präbiotikum wie der genannten resistenten Stärke Typ3, die Umgebung zu fördern, die diese Bakterien besonders mögen.

Über die Ernährung kommen wir mit stärke- und ballaststoffreichem Gemüse sowie mit Käse- und Milchprodukten schon weit. Leider ernähren sich viele Menschen dennoch nicht so, dass eine ausreichende Versorgung gesichert ist.

Resistente Stärke, Typ 3, entsteht dann, wenn wir Kartoffeln kochen und abkühlen lassen. Dadurch verändert sich die Zuckerstruktur und wir erhalten die resistente Stärke.

Wenn ich in meiner Praxis ein Probiotikum empfehle, dann achte ich immer auch auf dieses Thema. Oftmals entscheide ich mich für ein Probiotikum mit wenig präbiotischem Anteil (Inulin), da diese sehr blähend wirken können. Und dazu wähle ich dann ein Präbiotikum das der Patient, die Patientin besser verträgt.

Probaflor von Nupure ist in diesem Sinne wirklich zu empfehlen. Die Kapseln sind klein und der Inulinanteil geringer als bei anderen Produkten. Von daher reagieren Patient*innen eher nicht mit Blähungen und als Präbiotikum kann zusätzlich Nutriose, Akazienfaser oder resistente Stärke Typ 3 genommen werden.

Hier noch ein Link aus Google Scholar,

Wirkung von Ballaststoffen, kurzkettigen Fettsäuren und Glutamin auf die Funktion des Dünn- und Dickdarms, Verfasser: W. Scheppach

https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-642-59960-6_66

sowie eine Doktorarbeit zum Thema Angiogenese und Butyrat:

https://opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de/frontdoor/index/index/docId/1323

und eine Doktorarbeit zum Thema CED und Butyrat:

https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/4708

ein Artikel über Neurologische Erkrankungen, Darm und Propionsäure:

https://www.swr.de/swr2/wissen/article-swr-17930.html?fbclid=IwAR15Z4kdZuEx–PvuwaWxeL1bYs4QEVTG4YqpyBGaWcclrvUs-meUl-V5h0

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