Akkermansia municiphila – ein Keim mit großem Potenzial

mit drei Prozent Bevölkerungsanteil gehört er zu den häufigen Bewohnern des Dickdarms. Zugeführt von aussen kann er nicht werden, denn er ist sehr Sauerstoffempfindlich. Dennoch: wir können ihn „anfüttern“.

Eigentlich ist er mit seinen drei bis fünf Prozent Anteil am Mikrobiom kein besonderer Keim. Und was zunächst wenig klingt, ist im Verhältnis betrachtet doch eine ganze Menge. Akkermansia ist einer der zahlreichsten Darmbewohner.

Entdeckt wurde Akkermansia municiphila im Jahr 2004 an der holländischen Wageningen Universität als man auf der Suche nach einem Mucin-abbauenden Bakterium war. Er gehört zum Stamm Verrucomicrobia, hat eine ovale Form, ist unbeweglich, gram negativ und kein Sporenbildner. Er lebt im Dickdarm.

Futtermittel Darmschleimhaut

Seine Nahrung ist die Darmschleimhaut.

Und ja: das ist auch gut so. Stellen Sie es sich so vor: dadurch, dass er beständig an der Darmschleimhaut nagt, stimuliert er deren stete Neubildung und Regeneration. Somit leistet er sogar einen wichtigen Beitrag zu deren Erhaltung.

Mehr noch: er unterstützt die Funktion der tight junctions und im Falle eines leaky gut sorgt er für die Regeneration der Schleimhaut.

Umgekehrt genauso: ein Mangel an Akkermansia kann zu einer erhöhten Permeabilität der Darmschleimhaut beitragen, und somit zum Beispiel das Übertreten von Schadstoffen ins Blut oder auch die Entwicklung von Nahrungsmittelallergien befördern.

Zudem dient er auch als Futter für das Faecalibacterium prausnitzii.

Ausserhalb des Dickdarms wurde er auch gefunden, und zwar

  • in der Mundhöhle,
  • in der Muttermilch,
  • in der Bauchspeicheldrüse (hier allerdings nur in krankheitsbedingter Situation),
  • in der Galle,
  • im Dünndarm
  • und im Blinddarm fand man A. ähnliche Spezies.

Er ist für so einiges gut:

Diskutiert wird seine Mitarbeit vor allem im Schutz vor Diabetes, Typ 2. In diesem Zusammenhang soll er dazu beitragen, dass der Blutzucker Nüchternwert sich senkt sowie die Insulinresistenz und der Körperfettanteil. Da scheint er wirklich das Zünglein an der Waage spielen zu können und einer Adipositas entgegenzuwirken.

Lange Zeit ging man davon aus, dass er streng anaerob wächst. Studien aus dem Jahr 2017 legen aber nahe, dass er doch einem geringen Level an Sauerstoff gewachsen ist und er etwa 48 Stunden überleben kann.

Dennoch: durch seine Sauerstoffsensibilität ist es sehr schwierig, ihn zu züchten. Zudem wäre er – solange Studien dies nicht beweisen würden – von Behördenseite nicht als ein Keim mit GRAS-Status (generally recognized as safe) auszuweisen. Es dürfte also noch relativ lange Zeit vergehen, bis er in einem Probiotikum seinen Platz finden kann. Es gibt den Ansatz, Akkermansia in pasteurisierter Form zu vertreiben, ein Produkt auf dem Markt habe ich allerdings nicht ausfindig gemacht. Bleibt, therapeutisch dafür zu sorgen, dass er gute Bedingungen zum wachsen vorfindet.

Eine wichtige Rolle spielen hier natürlich Präbiotika, die eine gute Grundlage für das Wachstum der Bakterien generell, und Akkermansia im Besonderen legen: Inulin, resistente Stärke, Typ 3, – und in Bezug auf Akkermansia hat man herausgefunden, dass Cranberry-Extrakt, OPC, und eine gute Versorgung mit Vitamin D3 eine förderliche Rolle spielen.

Dadurch, dass er in der Muttermilch vorkommt, ist ein gestilltes Kind schnell und gut mit Akkermansia versorgt. Im Alter nimmt seine Besiedelungsdichte eher ab. Das könnte natürlich an der Ernährung liegen, da unsere westliche Ernährungsweise bekannt dafür ist, dass sie die Diversität des Mikrobioms reduziert. Ältere Menschen haben oft nochmals mehr einen schlechten Ernährungsstatus.

In Bezug auf seine Antibiotikaresistenz gibt es noch keine einheitlichen Ergebnisse, denn offenbar gibt es auch bei Akkermansia Untergruppen, die jeweils anders reagieren. Er scheint aber resistent gegen Vancomycin und Ofloxacin zu sein, sensitiv jedoch auf Penicillin, Amoxicillin, Ceftriaxon und Imipenem.

In der unten angeführten Studie finden Sie das Thema der Resistenzen genauer ausgeführt.

Akkermansia municiphila:

  • ist beteiligt an der Regulierung des Stoffwechsels und des Immunsystems

Niedrige Mengen an Akkermansia sind assoziiert mit verschiedenen Erkrankungen:

  • Erkrankungen des Stoffwechsels (metabolisches Syndrom)
  • chronische Entzündungen
  • Adipositas,
  • Diabetes Typ2,
  • Autismus,
  • Atopischer Formenkreis (Neurodermitis, Asthma, Allergien etc)
  • Reizdarm
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Zum Thema Krebstherapie:

Eine Untersuchung, die ich Ihnen unten verlinke, ergab, dass Krebspatienten mit erhöhtem Akkermansiastatus besser auf Immuntherapien ansprachen: „…that cancer immunotherapy combined with A. muciniphila as one of important probiotics in selective microbiota transplantation (Wu et al., 2019) is expected to achieve better clinical results for patients in the near future.“

Zudem verspricht man sich in der Forschung, dass der Status von Akkermansia-Besiedelung ein Biomarker für Gesundheit generell werden könnte.

Fazit:

“Akkermansia muciniphila, as a potential probiotic that can make good use of gastrointestinal mucin, is inextricably linked to host metabolism and immune response. It promises to be a therapeutic target in the microbiota-related diseases, such as colitis, metabolic syndrome, immune diseases and cancer. Preliminary human data suggest oral administration of A. muciniphila is safe, but its effect needs to be further verified in more human clinical trials in the near future.” (aus unten angeführtem Link)

Es wird noch eine Weile dauern, bis die Forschungen weiter gediehen sind und auch, bis es möglich sein wird, Probiotika mit diesem Stamm zu kaufen. Gleichwohl – wenn in der Praxis Mikrobiomanalysen vorgenommen werden – macht es Sinn, den Befund auf das Vorkommen von Akkermansia municiphila zu bewerten und das Wachstum dieses Keims therapeutisch zu unterstützen. Besonders bei älteren Menschen.

https://sfamjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/1751-7915.13410

https://www.mdpi.com/2076-2607/6/3/75/htm

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