Die Gelenke und der Darm

Wenn Gelenke schmerzen, dann stimmt es oft auch im Darm nicht. Wie kann die Gelenk-Darm-Achse beschrieben werden und welche Rolle spielt die Ernährung dabei?

Gelenkerkrankungen haben mit dem Darm zu tun. Auch umgekehrt wird oft ein Schuh draus: Menschen mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung haben oft Beschwerden mit den Gelenken. Das ist bekannt und tritt in der Praxis häufig zutage.

Eine rheumatoide Arthritis hat in der Regel mit einer Darmdysbiose zu tun. So weit, so gut.

Doch wie kann die Darm-Gelenk-Achse nachvollzogen werden?

Bei wahrscheinlich allen Erkrankungen mit autoimmunem Hintergrund liegt ein Teil des Entzündungsgeschehens an der Darmbarriere. Hier wird entschieden, welche Stoffe ins Blut übertreten und auf die Reise gehen, und welche nicht.

Spannung zwischen entzündungshemmenden und entzündungsfördernden Mediatoren.

Eine Schlüsselfunktion kommt dem Zonulin zu, das die meisten Kolleg*innen gut aus den Stuhlbefunden der Patientinnen und Patienten kennen.  Es ist ein Peptid und an der Regulierung der tight junctions beteiligt. Ist es erhöht, dann entwickelt sich ein leaky gut. Interessant ist, dass offenbar bei Menschen mit Gelenkserkrankungen schon im Vorfeld Zonulin vermehrt gebildet wird. Somit könnte man annehmen, dass ein erhöhter Zonulin-Spiegel unter Umständen dazu angetan ist, auf die Entstehung einer entzündlichen Arthritis hinzuweisen.

Schon länger wird erforscht, Larazotidacetat, den Antagonisten von Zonulin, einzusetzen. Es bremst das Zonulin.

Durch eine Studie wurde gezeigt, dass der Einsatz von Larazotid die Aktivität der Entzündung an den Gelenken hemmte. Die Knochenfestigkeit stieg an und der Ausbruch der Erkrankung konnte sich verzögern. Sinnigerweise kommt dieser Ansatz übrigens auch in der Behandlung der Zöliakie zum Tragen, wenn der Verzicht auf Gluten zur Linderung der Beschwerden nicht ausreicht.

Anders gesagt: Wird die Darmschleimhaut schon in der Vorphase der Arthritis regeneriert, dann wird die Entwicklung der Erkrankung gebremst.

Ebenso wichtig für die naturheilkundliche Betrachtung sind mal wieder die kurzkettigen Fettsäuren, allen voran: das Butyrat. Kurzkettige Fettsäuren wirken anti-entzündlich und sie werden von den Darmbakterien gebildet. Es liegt also auf der Hand, dass die Darmbakterien in dieser Richtung Unterstützung erhalten sollten.

Wir als Heilpraktiker*innen und Therapeut*innen gehen ja generell oft den Ernährungsweg. Hier gibt es eine weitere, interessante Untersuchung, bei der Patient*innen mit rheumatoider Arthritis als kurzfristige Maßnahme über einen Monat lang Ballaststoffriegel verabreicht wurden. Dabei wurden sowohl Stuhl als auch Serum auf entzündungshemmende Mediatoren untersucht. Es zeigte sich, dass unter dieser Gabe die kurzkettigen Fettsäuren zunahmen, dass sich die Firmicutes-Bacteroidetes-Ratio verschob und dass die proarthritische Zytokinkonzentration sank.

Neu ist der Ansatz, bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises auf die Ernährung und die Darmgesundheit zu achten, sicherlich nicht. Die hier angeführten Artikel können uns aber in unserer Arbeit unterstützen:

Es ist klar, dass eine ballaststoffreiche Ernährung therapeutisch in der Behandlung von rheumatoider Arthritis neben allem anderen ihren festen Platz haben sollte. Denken Sie hier besonders an den Einsatz von resistenter Stärke, Typ 3.

Und hier die Veröffentlichungen dazu:

https://dgrh.de/Start/DGRh/Presse/Pressemitteilungen/Pressemitteilungen/2021/Pressemitteilung-Nr.15-2021.html

https://www.nature.com/articles/s41467-020-15831-7

https://www.mdpi.com/2072-6643/12/10/3207

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